Chelsea


Sie sah aus wie grad dem Chelsea Hotel entsprungen. Oder eben wie man sich so etwas vorstellt. Eine Mischung aus durchgeknallter Künstlerin, Diva und Hure. Und genau das strahlte sie auch aus. Man konnte sich gut vorstellen, dass sie Sid dabei beobachtet hat wie er Nancy abstach. Im Vorbeigehen natürlich und einen Scheiß darauf gebend.

Sie setzte sich in diesem Cafe an meinen Tisch. Wortlos ohne "ist hier noch frei". Das wäre auch lächerlich gewesen.

Sie: "Hi. Hier nimm." Sie reichte mir einen gefalteten Zettel. Ich fing an ihn auszupacken.
Sie: "Nein. Später." Ich steckte den Zettel weg.
Ich: "Ungewöhnlicher Einstieg."
Sie: "Wie immer."
Ich: "Wie ist Dein..."
Sie: "Du wirst mich jetzt nicht fragen wie ich heiße."
Ich: "Hatte ich vor."

Sie lachte. Dreckig. Lange. Übertrieben. Dann warf sie einen Geldschein auf den Tisch, nahm mich bei der Hand, führte mich ab. Sie wohnte nur zwei Straßen weiter und sie führte mich direkt in ihr Schlafzimmer. Dort stand ein Riesenbett. In dem Bett lag ein Kerl und schlief. Ich schaute sie irritiert und fragend an.

Sie: "Das ist schon OK."

Es war fast stockdunkel in ihrem Zimmer.

Ich: "Ich bin irritiert."
Sie: "Ich bin nackt."

Sie trieb es in ihrer gnadenlosen Chelsea Hotel Manier. Nahm sich was sie brauchte. Gab mir was ich brauchte. Stieß auf mich herab wie ein Tornado und wurde dann plötzlich williges Opfer des Infernos. Der Kerl neben uns murmelte manchmal etwas Unverständliches wenn er einen Tritt ab bekam. Er war mir ein Rätsel. Und er war mir scheißegal. Dann war es vorbei. Ich zog mich an, tastete mich aus ihrer Wohnung und stand auf der Straße. In der Dunkelheit. Überfahren. Aus ihrem Schlafzimmerfenster hörte ich, dass der Kerl jetzt offenbar wach war. Er fickte sie. Ich ging zurück ins Cafe, setzte mich wieder an meinen Tisch. Bestellte einen Espresso. Wartete. Legte den Zettel vor mich auf den Tisch. Wartete, quälte mich, noch ein bisschen, noch ein bisschen. Trank einen Schluck. Las.

"Bleib nicht zum Frühstück."